Inhaltsverzeichnis

1) Übertragung

2) Zusammenleben mit seelisch verletzten Kindern

3) Probleme

4) Supervision

Zusammenleben mit seelisch verletzten Kindern

Frühkindliche seelische Verletzungen entstehen durch Deprivation (Entzug, Mangel), Trennungserfahrungen und traumatische Erlebnisse. Diese Erfahrungen wirken lebenslang nach und beeinflussen das Bindungs-, Leistungs- und Sozialverhalten von Menschen.

Selbst Kinder, die schon sehr früh in eine Pflegefamilie vermittelt werden, sind oftmals durch eine frühe Traumatisierung (manchmal schon vor der Geburt im Mutterleib) oder Deprivation geprägt. Das Zusammenleben mit diesen Kindern kann sehr schwer sein. Je später die Herausnahme erfolgt ist, desto größer ist der negative Einfluss der Risikofaktoren auf das Zusammenleben.

Das Problem der Pflegefamilien ist, dass sie oft nicht wissen, was ihren Kindern wann und in welchem Ausmaß widerfahren ist. Die Kinder haben in ihrer Notlage Überlebensstrategien entwickelt, die in der ursprünglichen Situation lebensnotwendig waren, in der aktuellen Situation aber oft sehr unangemessen sind.

Mithilfe des Begriffs der seelischen Verletzungen kann man das abweichende Verhalten von Kindern mit traumatisierenden Erlebnissen besser beschreiben, einordnen und vor allem respektieren. In jeder Entwicklungsphase kann ein Kind mit schweren Belastungen so stark beeinträchtigt werden, dass es bestimmte Entwicklungsaufgaben nur teilweise oder auch gar nicht erfüllen kann, weil es seine gesamte Energie zur Bewältigung der belastenden Ereignisse benötigt. Wichtige Entwicklungsschritte, die unbelastete Kinder fast "nebenher" bewältigen, bleiben so unbewältigt, was sich in unterschiedlichen Auffälligkeiten äußern kann.